Wilde Magneten

»Es gibt die großen Überraschungen im Leben und sie kommen, wenn man gar nicht mehr damit rechnet. Dass es die Liebe gibt, hatte ich schon fast vergessen. Nach zwei Jahren Pandemie und mehrfachen Aufenthalten in Notaufnahmen – bin ich mitten in der Liebe gelandet. Worte dafür gibt es nicht, aber ich habe mit kleinen glitzernden Buchstaben versucht, einen Bruchteil dieses Sonnensturms einzufangen« – so Sabine Bergk über die Entstehung ihres im Dittrich-Verlag erschienenen Gedichtbandes »Wilde Magneten«. Das Velbrück Magazin präsentiert einen Auszug aus ihrer bewegenden Sammlung über die (Selbst-)Liebe.

Hinaus!
Komm und öffne Dich, Herz,
es gibt keinen Grund
in dunklen Kammern zu verweilen.
Hinter inneren Gittern
kann Deine Liebe nicht gedeihen.
Du verlierst nichts als Zeit,
wenn Du Dich absicherst.

Komm und öffne Dich, Herz,
lass Deine Liebe wieder fließen,
dass sie frei sein kann,
wie es ihr beliebt.
Lass die Schatten los
in Deinem prächtigen Palast.
Wachse. Werde groß!




Kein Mangel
Das Brot wird knapp,
das Wasser wird knapp,
aber die Liebe wird niemals fehlen.

Das Öl wird teuer,
das Holz wird rar,
aber die Liebe wird niemals fehlen.

Die Arten sterben aus,
die Pflanzen vertrocknen,
aber die Liebe wird niemals fehlen.

Die Liebe fehlt uns unendlich.
Alles stirbt vor unseren Augen
und wir bleiben blind.

Könnten wir sehen,
dass die Liebe niemals fehlt,
würde auch das Brot nicht knapp werden,

das Wasser würde nicht versiegen,
Öl und Holz würden genügen,
Tiere und Pflanzen lebten im Paradies.

Ohne Mangel gäbe es keinen Mangel.
Da wir aber dem Mangel glauben,
verbrauchen wir alles.


(c) 2022 Sabine Bergk

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